Wochenspiegel

In Hergenrath soll es summen und brummen

Hergenrath.- Lange Jahre war Hergenrath wegen des Blumenkorsos als „Blumendorf“ weit und breit bekannt. Große Prunkwagen zogen mit frischen Blumen geschmückt durch die Straßen des Dorfes. Stundenlang steckten Freiwillige Tausende Dahlien Stück für Stück auf die Schaumstoffgerüste der Wagen. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Besucher kamen von nah und fern, um sich das bunte Blumenspektakel anzusehen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Der Publikumsmagnet hatte seine Anziehungskraft verloren. Es drängte sich die Frage auf, wie zeitgemäß eine solche Veranstaltung heute noch ist.

 

Die neue Bürgerinitiative „Blumendorf Hergenrath“ möchte zwar an die damaligen Zeiten anknüpfen, wählt aber einen ganz anderen Ansatz. Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit stehen im Fokus. „Es gibt immer mehr Stein- und Schottergärten. Die bieten den Insekten und dadurch auch den Vögeln keinen Lebensraum. Wir wollen diesem Trend eine sympathische Alternative entgegensetzen“, erklärt Andrea Jacobson, Mitglied der Bürgerinitiative.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Anzahl der Landinsekten in den letzten Dekaden abgenommen hat, was sich nachteilig auf das gesamte Ökosystem auswirkt. „Landwirtschaft und Ernährung sind untrennbar mit dem Vorkommen von Insekten verbunden. Sie verbessern die Bodenqualität, bauen abgestorbene Pflanzen und Tiere ab und bestäuben die Nutzpflanzen weltweit“, heißt es im Insektenatlas 2020. Das Image der sechsbeinigen Tierchen ist weniger gut, als es sein sollte. Ihr Dasein ist von großer Bedeutung: Eine Hummel kann beispielsweise bis zu 3.800 Blüten pro Tag bestäuben. Ameisen verbessern die Bodenqualität. Ein Marienkäfer frisst während seines gesamten Lebens 5.000 pflanzenschädigende Blattläuse.

 

Die Rechnung ist einfach: Weniger Insekten bedeuten weniger Vögel, weniger Blüten und mehr tote Biomasse. Unsere Welt wäre nicht nur um das Summen und Brummen der Insekten ärmer, sondern langfristig würde mit Sicherheit auch das Obst teurer und der Planet karger.

Die Gruppe „Blumendorf Hergenrath“ will dem zumindest im Kleinen entgegenwirken und „Lebensraum für mehr Artenvielfalt“ schaffen. Im Klartext: Blumenwiesen sollen her. Aber Blume ist nicht gleich Blume. In den Gärten blühen oft bunte Pflanzen, die zwar eine Augenweide, für Insekten aber wenig attraktiv sind. „Lebendige Blumenoasen“ sollen im Dorf entstehen – und jeder Anwohner kann dazu beitragen.

Daher haben die Mitglieder den Gartengestalter Alexander Hardt und die Naturexpertin Karin Laschet für ihr Projekt gewinnen können, die nun mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Das gemeinsame Ziel ist, so viele Flächen wie möglich im Dorf insektenfreundlich zu gestalten. Die Bürgerinitiative sieht sich dabei als Ideengeber und Multiplikator. Einige wichtige Partner konnte sie bereits an Land ziehen. Die Pfadfinder beispielsweise machen mit. Auch in der Hergenrather Schule ist angedacht, mit den Kindern eine kleine Blühwiese anzulegen. Es laufen außerdem Gespräche mit der Kirchenfabrik, die über Gelände verfügt, auf dem künftig heimische Blumen wachsen könnten.

Aber nicht nur Institutionen oder Vereine können sich beteiligen. Auch Privatpersonen möchte die Gruppe ansprechen. „Jeder Quadratmeter zählt“ oder „Mach mit und schaffe in deinem Garten oder auf deinem Balkon bunte und lebendige Blühoasen“, heißt es in einem Flyer der Bürgerinitiative, der in allen Hergenrather Geschäften ausliegt. Jedem Flyer ist eine kleine Tüte mit Samen beigefügt, die man kostenlos (oder gegen eine kleine freiwillige Spende) mitnehmen kann. Ziel ist es, dass die Menschen zu Hause aussäen. Auch die Gemeinde Kelmis unterstützt das Projekt. Die Druckkosten der Flyer und den Ankauf der Samen hat sie übernommen.

Gemeinsam haben die Mitglieder vorab die Tütchen befüllt, die nun verteilt werden. „Es handelt sich um heimische Samen. 40 Prozent Kulturpflanzen und 60 Prozent Wildpflanzen. Es sind beispielsweise Sonnenblumen, Kornblumen und Ringelblumen darin enthalten“, so Andrea Jacobson. Das Saatgut ist mehrjährig ausgelegt. Vier Jahre lang wird sich daraus Blumenpracht entwickeln, bevor nochmals gesät werden muss. „Die Blühwiese wird ihr Gesicht im Laufe der Zeit verändern. Im ersten Jahr kommen sicher viele Sonnenblumen heraus – später auch wilde Möhre und Schafgarbe. Es sind alles Pflanzen, die hier in der Region heimisch sind und beispielsweise auch am Waldrand wachsen. Auf jeden Fall vergrößern sie den Lebensraum von Insekten“, erklärt Andrea Jacobson. Die Bürgerinitiative hofft darauf, dass viele Hergenrather sich angesprochen fühlen und mitmachen. Das ganze Projekt soll kein Schnellschuss sein, sondern sich über Jahre immer weiter entwickeln. Wer Lust hat, der Initiative beizutreten, kann das jederzeit. „Alle sind willkommen. Man muss auch nicht unbedingt einen grünen Daumen haben“, so Andrea Jacobson. Gebraucht werden beispielsweise auch Leute, die medienaffin sind. Denn auch auf Facebook und Co. soll die Werbetrommel gerührt werden, damit es in Hergenrath bald summt und brummt.

Mehr Infos unter blumendorfhergenrath@gmail.com. (Quelle: Grenz Echo)

 

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