Wochenspiegel

Ausweg aus dem schwarzen Loch

Selbsthilfegruppe für Depressionen startet

Eupen.- Im Animationszentrum Ephata an der Bergkapellstraße in Eupen nimmt eine Selbsthilfegruppe ihre Arbeit auf, die sich mit einem neuen Konzept an Menschen wendet, die unter Depressionen leiden.
Die Coronakrise kann eine Depression durchaus begünstigen. Kontaktbeschränkungen, Homeoffice, Kurzarbeit und kaum Möglichkeiten der Ablenkung: Die Menschen sind auf sich selbst zurückgeworfen. Und mancher, der die Veranlagung mitbringt, entwickelt in diesen Zeiten eine handfeste Depression. Das ist ein Grund, warum Olivier Hess die schon seit längerem bestehende Gruppe für bipolare Störungen, bei denen sich manische und depressive Phasen abwechseln, nun auch für Menschen mit einer unipolaren Depression öffnen möchte. Hinzu kommt: Teilnehmer der Gruppe für Bipolare kamen teilweise auch aus Deutschland und hatten während des ersten Lockdowns Probleme mit dem Grenzübertritt.

Olivier Hess hat selbst das Konzept für die Selbsthilfegruppe entwickelt. Damit es für die Teilnehmer erfolgreich wird, sollen die Treffen wöchentlich am Samstagmorgen für drei Stunden stattfinden. Basis ist das Animationszentrum Ephata in der Bergkapellstraße. Los geht es mit etwas Bewegung in Form eines Spazierganges oder einer kleinen Wanderung. „Hierbei geht es darum, einen inneren Zustand zu erreichen, der die Gedanken fließen lässt.“ Hinzu kommt das Bewusstsein, schon etwas geleistet zu haben. Gerade Depressive sind oft antriebslos, sodass die Bewegung bereits hilfreich sein kann.
Natürlich ist die Gruppe auch weiterhin für Personen mit bipolarer Störung offen. Zum einen ist die Depression ein Teilaspekt der bipolaren Störung, zum anderen können sich Menschen, mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen auch gegenseitig stützen.

Die zweite Stunde soll ganz im Zeichen der Vergangenheit stehen. Die Teilnehmer bringen ein Buch, ein Fotoalbum oder einen Gegenstand mit. Denn solche Dinge sind eng mit dem Erleben und den Emotionen in einer bestimmten Lebensphase verbunden. „Wir versuchen, die Vergangenheit neu zu entdecken, um so die Zukunft zu gestalten“, sagt Olivier Hess. Denn Ereignisse der Vergangenheit sind auch mit positiven Gefühlen und starken Empfindungen verbunden.

In der dritten Stunde soll es wie in jeder normalen Selbsthilfegruppe ablaufen. Was bewegt die Teilnehmer? Was ist in der vergangenen Woche, im vergangenen Monat geschehen, wie gehe ich damit um?
Wichtig ist, dass die Gruppe regelmäßig zusammenkommt. Denn das hilft auch dabei, Struktur zu entwickeln.
Keinesfalls aber kann eine Selbsthilfegruppe eine professionelle Psychotherapie ersetzen. Daher dürfen auch nur Menschen teilnehmen, die in Kontakt zu einem Therapeuten stehen oder medikamentös gut eingestellt sind. Denn Selbsthilfegruppen haben Grenzen. Wer beispielsweise an einer akuten Manie leidet, suizidal ist oder ein aktuelles Suchtproblem hat, ist in einer solchen Gruppe nicht gut aufgehoben, da hier erst einmal der Profi ans Werk muss. „Wenn er aber beispielsweise aus der Klinik entlassen ist, ist er natürlich bei uns herzlich willkommen“, sagt Hess. Zudem sollten die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe in der Lage sein, gut zuzuhören und das Gehörte für sich zu behalten sowie fähig und willens sein, in einer Gruppe mitzuarbeiten. Die Treffen sind auch unter Pandemiebedingungen möglich.

Olivier Hess sucht Mitstreiter, die bereit sind, gemeinsam an ihren Depressionen zu arbeiten. Interessierte können sich bei ihm unter info@manisch-depresssiv.be oder telefonisch unter 0497/94 98 43 melden.

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