Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – In einer Reihe kleinerer Stadtarchive in der französischen Provinz finden sich noch heute Programme, Quittungen und Schuldscheine mit der Unterschrift eines gewissen Jean Baptiste Poquelin. Unter dem Namen Molière reist der 1622 als Sohn eines Pariser Hoftapezierers zur Welt Gekommene mit seinem „Illustre Théatre“ von Ort zu Ort und von Schloss zu Schloss. Er ist Schauspieler, Truppenleiter und Autor in einer Person und unterhält die Menschen mit italienischen Possen, spanischen Comedias und „harmlosen Scherzen“ aus eigener Feder. 1658 nach Paris zurückgekehrt, darf er dem König in
dessen Stadtschloss, dem Louvre, vorspielen. Mit seinem huldvoll aufgenommenen
Stück „Le Docteur amoureux“ macht er bei Hof sein Glück. Ludwig XIV. weist ihm die Bühne des “Palais Royal” zu und verleiht seiner Truppe den ehrenvollen Titel „Troupe du Roy“. In den folgenden Jahren schreibt Molière mit souveräner Sprachkunst mehr als ein Dutzend erfrischender Komödien, welche die kostbaren Dämchen der feineren Gesellschaft ebenso in Szene setzen, wie eingebildete Kranke, geizige Alte, tollpatschige Diener oder scheinheilige Betrüger. Es sind dem Leben abgeschaute Menschen- und Seelengemälde wie sie bis zu diesem Zeitpunkt nur Shakespeare gelungen waren, den Molière mit seiner „Grazie und schicklichem Takt“ jedoch noch übertraf.
Als er am 17. Februar 1673 nach einer Vorstellung an einem Blutsturz starb, wurde ihm sein Kampf gegen Heuchelei und Doppelmoral zum Verhängnis. Seine Frau hatte die größte Mühe ihm ein kirchliches Begräbnis zu erwirken; beigesetzt wurde er zur Nacht in einem Massengrab.
Mehr als 100 Jahre später huldigte Goethe ihm als dem „vollendeten und stilechtesten“ Dichter des 17. Jahrhunderts.
Wir halten die Werke des großen Franzosen für Sie bereit!

