Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – Am 20. Juli 1822 brachte die Ehefrau des Kleinbauern Anton Mendel im damals zu Österreich gehörenden schlesischen Heinzendorf bei Odrau ihr zweites Kind zur Welt. Der Junge wurde auf den Namen Johann getauft.
Nach dem Besuch der Dorfschule ging der Hochbegabte 1834 nach Troppau aufs Gymnasium. Ab seinem 16. Lebensjahr finanzierte er sein Studium größtenteils als Privatlehrer.
Mendel verließ das Gymnasium 1840 als einer der Besten seines Jahrgangs und schrieb sich nun als Student der Philosophie an der Universität Olmütz ein.
Die ersten beiden Jahre bestand er mit hervorragenden Noten, musste dann aber wegen „bitterer Nahrungssorgen“, wie er es selbst umschrieb, die Universität verlassen.
Auf Empfehlung seines ehemaligen Physiklehrers fand er 1843 Aufnahme in der Abtei der Augustiner- Eremiten St. Thomas im mährischen Alt Brünn. Hier legte er 1846 seinen Profess ab und erhielt den Ordensnamen Gregor. Nach seiner Priesterweihe 1847 setzten seine Oberen ihn in der Seelsorge ein, doch stürzte die Betreuung Sterbender ihn alsbald in eine tiefe Depression. Er kehrte in die Abtei zurück und unterrichtete fortan Mathematik und Griechisch an einem staatlichen Gymnasium. Als Pädagoge war er sehr beliebt, fiel jedoch zwei Mal durch die Zulassungsprüfung als Gymnasiallehrer.
Spätere Forschungen haben gezeigt, dass die Schuld für dieses Scheitern nicht bei ihm, sondern in der Voreingenommenheit einiger Prüfer zu suchen ist. In der Tat verfolgte Pater Gregor Mendel schon seit mehreren Jahren
naturwissenschaftliche Untersuchungen, deren Schlussfolgerungen nicht jeder teilte.
1856 begann er im Garten seiner Abtei mit systematischen Kreuzungsexperimenten an Erbsen, Sie führten schließlich zur Formulierung von drei Gesetzen, welche die Grundlage der Vererbungslehre bilden. Mendel, der sich auch als Meteorologe einen Namen machte, blieb lange Zeit unverstanden. Er starb 1884 in der Abtei St. Thomas, deren Mönche ihn 1868 zum Abt auf Lebenszeit gewählt hatten. Erst nach 1900 fanden die Arbeiten dieses „stillen Forschers“ und „hervorragenden Experimentators“ in der Welt der Wissenschaften endlich die verdiente Beachtung und Anerkennung.

