Zwei Städte planen eine grenzüberschreitende Straße
Eupen. Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Vorhaben klingt, entpuppt sich schnell als komplexe Aufgabe. Budgetfragen, Naturschutz und unterschiedliche Interessen machen Entscheidungen schwierig. Genau das erlebten Schüler des fünften Jahres bei einem Planspiel des Konsortiums „Wie geht denn Politik?“, das im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft stattfand.
Am vergangenen Donnerstag waren die Schüler des Königlichen Athenäums Eupen (KAE) an der Reihe. Insgesamt nehmen acht Schulgruppen aus der gesamten DG an dem Projekt teil. Das Konsortium besteht aus Ocarina Ostbelgien, Jugendinfo Ostbelgien, dem Parlament der DG, Freelancerin Tomke Lask, Europe Direct Ostbelgien und dem Rat der Deutschsprachigen Jugend. Entwickelt wurde das Planspiel ursprünglich am Europazentrum Robert Schuman und anschließend an die Gegebenheiten Ostbelgiens angepasst. Finanziert wird das Projekt durch Erasmus+.
Zu Beginn erhalten die Schüler zufällig eine Rolle – etwa als Politiker, Naturschützer, Einwohner oder Vertreter eines Unternehmens. Mit Hilfe eines Dossiers sollen sie sich eine Meinung bilden und anschließend gemeinsam über den Bau einer Straße beraten. Grundsätzlich befürworten alle Beteiligten das Projekt, dennoch stehen Fragen des Umweltschutzes und der Finanzierung im Mittelpunkt.
Die Jugendlichen diskutieren verschiedene Lösungsansätze: Lärmschutzwände, Tunnel oder Brücken, aber auch Abholzung mit anschließender Wiederaufforstung werden vorgeschlagen. Einige Gruppen denken zudem über Fahrradwege und Elektromobilität nach. In der anschließenden Debatte werden Argumente ausgetauscht und unterschiedliche Positionen vertreten – etwa darüber, ob ein Tunnel oder eine Brücke die bessere Lösung wäre.
Für die 16-jährige Fleur, die die Rolle der Vorsitzenden übernimmt, ist das Leiten der Sitzung eine Herausforderung. „Man sieht die ganzen Menschen und ist voll überfordert, wenn man die leiten muss“, sagt sie. Ihre Klassenkameradin Julia fand Gefallen an dem Rollenspiel: „Es hat richtig Spaß gemacht. Man lernt, seine Meinung zu vertreten.“
Am Ende gibt es zwar keine Einstimmigkeit, aber eine Mehrheit für einen Vorschlag. Für die Initiatoren ist vor allem der Weg dorthin entscheidend. Ziel sei es, Jugendlichen demokratische Prozesse näherzubringen. Zwei Erkenntnisse sollen bleiben: Wer mitreden will, muss sich aktiv einbringen – und für komplexe Probleme gibt es selten einfache Lösungen.

