Céline Keutgen will mit dem Klangraum wirklich jeden erreichen
Eupen. Musik kann man groß inszenieren – mit Orchester, Notenblättern und langer Vorbereitung. Beim Klangraum der Klangschmiede läuft das anders. Wer kommt, bringt mit, was er hat. Eine Stimme reicht, ein Finger auch. Jeden Dienstag zeigt Céline Keutgen im Eupener Kolpinghaus, dass Musik nicht spektakulär sein muss, um etwas zu bewegen.
Nicht jeder Ton sitzt an diesem Abend – doch darum geht es hier nicht. Im Mittelpunkt steht die Freude am gemeinsamen Musizieren. Luis Göbbels ist mit dem Rollstuhl da und kommt alle zwei Wochen. Der Klangraum beginnt mit einem Begrüßungslied, das immer gleich ist und doch variiert: Je nach Teilnehmenden fließen verschiedene Sprachen ein. Wer gehört werden will, wird gehört.
Luis Göbbels hört zunächst zu, dann steigt er ein. Bei einem bekannten Lied spielt er mit, singt laut und gibt mit Zimbeln den Takt vor. Auf seine Art, so wie es ihm möglich ist.
Geleitet wird das Projekt von Céline Keutgen. Die Sozialpädagogin und ausgebildete Musikpädagogin arbeitet seit Anfang 2025 bei der Klangschmiede. Die Idee entstand während einer Weiterbildung zur inklusiven Musikarbeit. Sie stellte fest, dass „Musik für alle“ oft nicht der Realität entspricht. Viele Angebote setzen Vorkenntnisse oder regelmäßige Teilnahme voraus.
Der Klangraum will das ändern: keine Noten, keine festen Vorgaben. Wer nicht lesen kann, bekommt keinen Text, wer sich wenig bewegen kann, macht im Kleinen mit. Beim Aufwärmen arbeitet Céline Keutgen bewusst mit Bildern statt Fachbegriffen. „Ich erzähle lieber vom Specht als vom Kehlkopf“, sagt sie. So erreiche sie alle und nehme Berührungsängste, ganz ohne Leistungsdruck.
Viele Menschen hätten schlechte Erfahrungen mit dem Singen gemacht. Dabei lasse sich die Stimme trainieren wie ein Muskel. Auch Menschen, die beruflich singen müssten, hätten oft Hemmungen. Gerade für sie kann das Angebot ein geschützter Einstieg sein.
Regelmäßig kommt eine Gruppe aus dem Empfangszentrum Belle-Vue. Mehrsprachige Lieder verbinden. Manchmal lösen sie auch Emotionen aus, etwa wenn Erinnerungen hochkommen. Oft entstehen daraus berührende Momente.
„Gemeinsames Singen schafft Verbindung“, sagt Céline Keutgen. Was sie sich noch wünscht, ist mehr Durchmischung. Eingeladen sind alle – auch Menschen mit Hemmungen oder erfahrene Musiker.
Der Klangraum trifft sich dienstags von 17.30 bis 18.45 Uhr im Kolpinghaus in Eupen. Eine einmalige Anmeldung ist nötig: www.klangschmiede.be

