Wochenspiegel

Thema des Monats: Konrad Adenauer und die Anfänge der neuen deutschen Demokratie

Stadt-und Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef

Eupen. – Nach Hitlers Selbstmord und der Kapitulation seiner Streitkräfte blieb ein völlig verstörtes, jahrelang von einem ausgeklügelten Propaganda-Apparat indoktriniertes Volk zurück. Seit der Gründung eines autoritären Deutschen Reichs rund siebzig Jahre zuvor und dem kurzen demokratischen Zwischenspiel der letztlich von ihren Extremen zermalmten Weimarer Republik hatte es 1933 mehrheitlich den Weg frei gemacht für ein totalitäres System, dessen Weg in den totalen Zusammenbruch geführt hatte. Das Land lag materiell und geistig-moralisch in Trümmern. Aktiven Widerstand gegen den Tyrannen hatte es kaum gegeben. Die Zahl der sogenannten Mitläufer, die das Regime auf vielfältige Weise in seine Netze verstrickt hatte, war groß. Wo jemanden finden, der das Land aus dem Chaos nicht allein in geregelte Verhältnisse zurückführen, sondern vor allem verschüttete demokratische Traditionen wiederbeleben würde? Es war die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Fündig wurde man im Rheinland, wo der von den Nazis als Oberbürgermeister von Köln abgesetzte und dann verfolgte Konrad Adenauer 1946 seinen 70. Geburtstag begangen hatte. Über Adenauer ist sehr viel geschrieben und erzählt worden. Noch immer ranken sich unzählige Anekdoten um sein Leben und Wirken. Dass er ein außergewöhnlicher Mensch und ein weitsichtiger Politiker war, bleibt unbestritten. Dass er gelegentlich schlitzohrig, intrigant und nachtragend sein konnte, stimmt genau so wie die Behauptung, dass er – übrigens wie andere große Männer seiner Zeit – seinen Abschied von der großen Politik verpasst habe. Aber, was wäre Deutschland, was wäre unser Kontinent heute, ohne die lebenserfahrene Gelassenheit, die realitätserprobte Menschenkenntnis und die tiefe christliche Verwurzelung des „Alten von Rhöndorf“, der es meisterhaft verstanden hat, Deutschland nach 1945 aus der Isolation zu führen und zusammen mit seinem Freund Charles de Gaulle tragfähige Fundamente für ein friedliches Europa zu gießen.

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