Vom Laufband an die Haustür
Eupen. „Der freut sich schon auf uns“, sagt Cenan Avlamaz lachend. Am Fenster steht ein älterer Herr, nickt und winkt. Für ihn gehört die Essenslieferung längst zum Tagesablauf. Hinter dem Namen „fliegender Kochtopf“ steckt ein Dienst des ÖSHZ Eupen. Er gehört zur häuslichen Hilfe, liefert Warmmahlzeiten, installiert Notrufgeräte und verkauft Pflege- sowie Inkontinenzmaterial auf ärztliche Verordnung. Entstanden ist der Dienst vor über 15 Jahren aus Appetito, einem Mahlzeitendienst für Tiefkühlgerichte. Heute werden die Essen in Zusammenarbeit mit der Küche des Wohn- und Pflegezentrums St. Josef portioniert und warm ausgeliefert.
An jedem Werktag gehen 125 bis 140 Warmmahlzeiten an Privathaushalte, vor allem an Menschen über 60. Hinzu kommen Stadtviertelessen und Schulen. Bis 9.15 Uhr können Kunden sich an- oder abmelden, danach geht die Liste an die Küche. Für jeden Kunden gibt es eine Karteikarte: Allergien, Abneigungen oder Sonderwünsche werden berücksichtigt. „Es ist keine hohe Kunst, aber es ist Konzentration und eine Reihenfolge, die zu beachten ist“, sagt Hubert Beckers, der beim ÖSHZ für den Dienst zuständig ist.
Die Gerichte bleiben in vorgeheizten Wärmewagen warm. Gegen 10.15 Uhr startet die erste Tour. Drei Routen werden gefahren: Zwei beliefern Privathaushalte, die dritte zunächst Schulen und Stadtviertelessen. Damit nichts verwechselt wird, sind Wagen und Behälter beschriftet. Wer nicht mehr spülen kann, erhält Einweggeschirr; wer lieber abends warm isst, bekommt Mikrowellengeschirr.
In Kettenis, der Oberstadt und der Unterstadt wird gemeinsam gegessen. Dort kommt das Essen in großen Behältern an, Ehrenamtliche decken die Tische, portionieren, servieren und spülen. „Es geht nicht nur um das Essen, sondern auch um das Soziale, um das Aus-dem-Haus-Kommen“, sagt Beckers. Viele Kunden lassen sich montags bis freitags beliefern, oft weil sie beeinträchtigt sind, isoliert leben oder nicht mehr selbst kochen können. Bei geringer Nachfrage muss der Dienst priorisieren.
Nach der Corona-Zeit war die Nachfrage deutlich gesunken, inzwischen nähert sie sich wieder dem früheren Niveau. In diesem Jahr wurden fast 12.000 Mahlzeiten ausgeliefert, mehr als 8.000 davon an Privatpersonen.
Ein spontaner Lieferdienst wie eine Pizzeria sei der fliegende Kochtopf nicht, betont Beckers. Wer beliefert werden möchte, muss sich anmelden, mindestens 60 Jahre alt sein und in Eupen oder Kettenis wohnen.

