Besichtigungen und Gaumenfreuden
Ostbelgien. – Wer ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat trägt, kennt das Problem: Sobald es laut wird, verwandelt sich die Welt in einen einzigen Klangsumpf. Stadtführungen? Meist ein Albtraum aus Lärmbrei und Kopfschmerzen. Doch der Verein HOB („Hörgeschädigte Ostbelgiens“) hat eine passende Lösung: spezielle Höranlagen, die Umgebungslärm ausblenden und nur die Stimme der Gästeführer übertragen. Das klingt simpel, macht aber einen riesigen Unterschied.
Am ersten Samstag im Juni nutzte eine Gruppe Betroffener mit ihren Familien dieses einzigartige Angebot für einen Ausflug ins alte Lüttich. Los ging es unter fachkundiger Leitung von Johanna, Gästeführerin der Agentur “guides4you”, vom Bahnhof aus. Wir wanderten zur Maas, wo das Flusstaxi wartete, das die 28-köpfige Gruppe direkt ins Herz der Stadt schipperte. Zu Fuß erkundeten wir die Klassiker, darunter die legendäre Bueren-Berg-Treppe mit ihren 374 Stufen und den imposanten fürstbischöflichen Palast.
Die Höhepunkte des Tages waren jedoch die Gaumenfreuden. Bereits unterwegs gab es einige kulinarische Zwischenstopps, um beispielsweise eine Lütticher Weißwurst zu verkosten – mal mit Majoran, mal mit Rosinen oder Aprikosen verfeinert -, ein Muss auf jedem Apéro in Lüttich. Natürlich durfte auch der Pékèt nicht fehlen, der lokale Wacholderschnaps, der in unzähligen Varianten daherkommt. Zur Wahl standen Zitrone oder Veilchen – Lüttich kann eben auch zart. Zum Mittagessen kehrten wir im Restaurant des alten Minoritenklosters ein und genossen Lütticher Bouletten. Den krönenden Abschluss bildeten die echten Lütticher Waffeln, die uns frisch aus der Bäckerei „Saperlipopette“ serviert wurden.
Schön war auch, dass Mitglieder der Aachener Hörgeschädigten dabei waren. Denn egal, ob belgisch oder deutsch: Die Erfahrungen Schwerhöriger in einer lauten Welt verbinden. Und die richtigen Hilfsmittel machen vieles möglich.

