Wochenspiegel

Ein Papst, der das Fenster zur Welt öffnete

Die französische Fassung von Derwahls Papst-Porträt

Es gibt Lebensgeschichten, die einen Menschen erklären wollen. Und es gibt jene seltenen Bücher, die ihn wieder zum Leuchten bringen. Freddy Derwahls französische Fassung seines Porträts von Johannes XXIII. gehört zur zweiten, glücklicheren Kategorie. „Jean XXIII – Un paysan à la fenêtre“ ist keine trockene Chronik eines Pontifikats, sondern eine literarisch bewegte Annäherung an einen Mann, dessen Größe gerade in seiner Menschlichkeit lag.

Freddy Derwahl erzählt von Angelo Giuseppe Roncalli, dem Bauernsohn aus der Lombardei, der im Alter von 76 Jahren Papst wurde – und wider alle Erwartungen das Fenster zur Welt weit öffnete. Mit feinem Gespür für Anekdote und Charakterzeichnung lässt der Autor jene Wärme, den Humor und die innere Freiheit sichtbar werden, die Johannes XXIII. zu einer der liebenswertesten Gestalten der Kirchengeschichte machen.

Besonders überzeugend ist, dass Derwahl das Politische und das Persönliche nicht gegeneinander ausspielt. Kalter Krieg und Kubakrise stehen neben kleinen menschlichen Gesten. Das große Drama der Weltgeschichte erhält ein menschliches Gesicht. Im Mittelpunkt aber bleibt jene überraschende Entscheidung, die der Kirche im 20. Jahrhundert ein neues Antlitz schenkte: die Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Anselm Grüns kurzes Vorwort gibt dieser Biografie einen stillen, geistlichen Akzent. So wird dieses Buch am Ende mehr als ein Papst-Porträt: ein Plädoyer für eine Kirche, die nicht Museum, sondern lebendiger Garten sein will.

Freddy Derwahl „Jean XXIII – Un paysan à la fenêtre. L’air frais et souriant de l’inattendu“, Saint-Léger éditions 2026, Broschur, 300 Seiten, ISBN 978-2-38522-609-1, 20 Euro.

Kontaktiert uns…

Folgt uns…

Zur Website von: