Stadt- und Pfarrbibliotheken St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – Seit 1945 war zwischen dem östlichen und dem westlichen Europa langsam aber immer undurchdringlicher ein „Eiserner Vorhang“ – den Ausdruck scheint Winston Churchill geprägt zu haben – niedergegangen, der Jahrhunderte alte Beziehungen und Verbindungen für Jahrzehnte schroff unterbrechen sollte. Aber in den nun dem kommunistischen Machtbereich angehörenden Ländern blieb die Erinnerung an „früher“ noch lange lebendig. Besonders stark ausgeprägt war dieses Gefühl im ehemaligen Königreich Ungarn, dass lange Zeit ein fester eigenständiger Bestandteil des habsburgischen Imperiums gewesen war.
Am 23. Oktober 1956 kam es in Budapest zu einer studentischen Großdemonstration, die demokratischen Reformen forderte. Am Abend ließ die sowjetische Besatzungsmacht in die schnell wachsende Menge schießen, worauf der bewaffnete Straßenkampf ausbrach. Binnen weniger Tage wurde die Einparteidiktatur durch eine neue Regierung unter Imre Nagy ersetzt, der möglichst viele Parteien in seine Arbeit einband.
Ungarn trat aus dem sowjetischen Militärbündnis – dem Warschauer Pakt – aus, erklärte seine Neutralität und rief die Sowjetarmee zum Verlassen des Landes auf.
Am 4. November holte diese zum brutalen Gegenschlag aus. Die ungarische Revolution wurde blutig niedergeschlagen.
Hunderte – darunter Imre Nagy – wurden hingerichtet, Zehntausende eingekerkert. Hunderttausende Ungarn flüchteten in den Westen. 1989 erhob das wieder freie Ungarn den 23. Oktober zu seinem Nationalfeiertag.

