Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – Im Sommer 1779 steckte der junge Goethe in einer tiefen Sinnkrise. Die Sehnsucht, Weimar gegen südlichere Gefilde und einen „helleren Himmel“ einzutauschen, wurde immer stärker. „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ dichtete er 1785, aber noch fehlte ihm der Mut, alles hinter sich zu lassen. Erst im Herbst 1786 verschwand er eilig und in aller Stille
von Karlsbad aus, wo er zur Kur weilte, ohne seinem Dienstherrn, dem Herzog von Weimar, mitzuteilen, wohin es ihn zog. Wie auf der Flucht durchquerte Goethe Böhmen, Bayern und Tirol, über den Brenner, zum Gardasee und nach Verona und Venedig, nach kurzem Aufenthalt von hier weiter nach Ferrara, Florenz und Assisi nach Rom.
Am 29. Oktober 1786 erreichte er „die ewige Stadt“. Seinen Freunden schrieb er: „Alles hat hier schon mehr Kraft und Leben, die Sonne scheint so heiß, und man glaubt wieder an einen Gott.“ Er sah „alle Träume seiner Jugend“ verwirklicht. Goethe vermied den ablenkenden Besuch „der hohen Gesellschaft“, suchte und fand den Kontakt zu deutschen Malern und Künstlern und versenkte sich in die Kunst der Antike und die Natur. Den Winter blieb er in Rom, im Frühjahr 1787 besuchte er Neapel und Sizilien. Erst am 23. Mai 1788 machte er sich wieder auf den Weg in den „rauen Norden“.
Noch nach Jahren schwärmte er von Italien und den Italienern: „Die Luft ist dort lauer, reiner, der Himmel blauer und unbewölkter, die Gesichter offen, freundlich und lachender.“ Die Reise und das Eintauchen in eine andere Kultur hatten ihn verändert und gestärkt, eine Erfahrung, die bis heute all Diejenigen machen, die ihren Urlaub nutzen, nicht nur „dem Land“, sondern auch seinen „Leuten“ zu begegnen.

