Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – Zusammenhalten als Seelsorger im Ahrtal: Es regnete seit Tagen, aber am 14. Juli und in der Nacht zum 15. Juli 2021 wurde es besonders schlimm. In einem Zeitraum von zehn bis achtzehn Stunden gingen über dem Osten Belgiens, Teilen von Luxemburg, Frankreich, der Niederlande sowie der deutschen Bundesländer Nordrhein- Westfalen und Rheinland- Pfalz 100 bis 150 Liter Wasser pro Quadratkilometer nieder. In den Überschwemmungen und Sturzfluten verloren Hunderte von Menschen ihr Leben. Viele Häuser wurden völlig zerstört, Infrastrukturen schwerstens beschädigt. Besonders betroffen war das Ahrtal, wo der Wiederaufbau nach wie vor eher schleppend vorankommt. Jörg Meyrer, 1962 im Saarland geboren, ist seit 2002 als katholischer Priester im Ahrtal tätig und er hat die Flutkatastrophe hautnah miterlebt und durchlitten. Er begleitet weiterhin die Menschen dort auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft. Ungeschönt, schnörkellos und direkt erzählt er von Begegnungen, praktischer Hilfe, seinen Zweifeln, seinem Schweigen gegenüber Gott: „Einfach da sein, Ganz praktisch. Und zuhören, wenn die Menschen ihre Flutgeschichten erzählen.“ Aushalten, wenn die Tränen kommen und die Verzweiflung aufsteigt. Das Buch des Pfarrers „ist kein literarisch fein ziseliertes Werk, sondern ein sehr persönliches, facettenreiches Zeugnis“ eines Mitmenschen, den die Flut auch an die Grenzen seines Glaubens gebracht, der mit Gott gehadert hat, und der sich heute viele Fragen stellt über unnützen Überfluss, Klimagerechtigkeit, kirchliche Glaubwürdigkeit, neue Werte und eine SolidAHRität, in der religiöse und weltanschauliche Unterschiede bedeutungslos werden. Absolut lesenswert!

