Pfarrbibliotheken St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – Vor 350 Jahren verstarb in Paris ein Genie: Jean- Baptiste Poquelin genannt Molière; der Schauspieler, Theaterdirektor und Schriftsteller war gerade einmal 51 Jahre alt geworden. Er hatte die Komödie zu einer der Tragödie ebenbürtigen, gleichwertigen Gattung gemacht. Vor allem war es ihm in unübertrefflicher Weise gelungen, die menschlichen Schwächen und Leidenschaften humorvoll aber nicht verletzend in Szene zu
setzen. Die lächerlichen feinen Damen der gehobenen Gesellschaft bekamen ihr Fett ebenso weg wie eine sich gelehrt dünkende, aber völlig unfähige Ärzteschaft. Zwangsheiraten und krankhafter Geiz wurden genauso angeprangert wie Menschenfeindlichkeit, exzessive Eifersucht, Hypochondrie und religiöse Scheinheiligkeit. Dass dies nicht Jedem passte, zeigten die unwürdigen Begleitumstände seines Ablebens. Nur mit Mühe gelang es
Molières Frau Armande, den Widerstand des Gemeindepfarrers zu brechen, und über König Ludwig XIV. höchst- persönlich beim Erzbischof von Paris zu erreichen, dass ihr Mann eine halbwegs ehrbare Bestattung auf einem kirchlichen Friedhof erhielt. Nicht Alle können über sich selber lachen… 1752 wurden Molières Lustspiele erstmals ins Deutsche übersetzt. 1825 sagte der deutsche “Dichterfürst” Goethe über den Franzosen: „Molière ist so groß, dass man immer von Neuem erstaunt, wenn man ihn wieder liest. Er ist ein Mann für sich und niemand hat den Mut, es ihm nachzutun. Ich lese von Molière alle Jahre einige Stücke. Denn wir kleinen Menschen sind nicht fähig, die Größe solcher Dinge in uns zu bewahren, und wir müssen daher von Zeit zu Zeit immer dahin zurückkehren, um solche Eindrücke in uns anzufrischen.“ Tun wir es Gothe nach; unsere Bibliotheken halten Molières unsterblichen Werke für Sie bereit!

