Wochenspiegel

Autor des Monats: Tomás Halík

Pfarrbibliotheken Eupen St. Nikolaus und St. Josef

Eupen. – Im sogenannten Westen ist das Christentum im freien Fall. Mancher prognostiziert sein Quasi-Verschwinden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts.

Dementsprechend groß sind bei vielen Ratlosigkeit, Panik und das Jammern ber den „Relevanzverlust“ in der Gesellschaft. All das hat der tschechische Priester, Soziologe und Philosoph Tomás Halík (Jahrgang 1948) schon lange hinter sich gelassen. Als er zur Welt kam, war seine Heimat in einen Satellitenstaat der Sowjetunion verwandelt worden.

In den 1960er Jahren durfte er zwar in Prag und an der walisischen Universität Bangor studieren, der Weg zum Dozenten blieb ihm wegen seines Bekenntnisses zum Christentum indessen versperrt. In den 1970er Jahren studierte er im Untergrund Theologie und wurde 1979 in der DDR zum Priester geweiht. In der Tschechoslowakei war mittlerweile fast jede Form kirchlichen Lebens staatlicherseits mit Erfolg ausgelöscht worden.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums setzte Halík seine Studien in Rom, Wroclaw (Breslau) und Prag fort und lehrt seitdem an der Prager Karlsuniversität. Immer wieder laden ihn auch renommierte ausländische Universitäten – so Oxford und Cambridge – zu Gastvorlesungen ein.

Die Relevanz der katholischen Kirche in der tschechischen Gesellschaft tendiert auch ein Vierteljahrhundert nach der sogenannten Wende nach wie vor gegen null. Die gesellschaftliche Relevanz des katholischen Priesters Tomás Halík in einer fast völlig entchristlichten Tschechei hingegen ist größer denn je.

Regelmäßig äußert er sich zu politischen und ethischen Fragen und sein Wort hat Gewicht. Was lernen wir daraus? Vielleicht, dass die Relevanz einer Ortskirche nicht notwendigerweise von der Anzahl Krankenhäuser, Schulen oder sonstigen Einrichtungen abhängt, die sie finanziert und betreibt, sondern (und vielleicht vor allem) von der Glaubwürdigkeit des sich an der Radikalität des Evangeliums orientierenden Zeugnisses ihrer Mitglieder.

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