Stadt- und Pfarrbibliotheken Eupen St. Josef und St. Nikolaus
Der 1875 im damals zum Deutschen Reich gehörenden Elsass geborene Arzt, Theologe, Philosoph, Musikwissenschaftler, Organist und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer war und ist noch immer eine Lichtgestalt. Sein Urwaldhospital im afrikanischen Lambarene hat bis heute Kultstatus. In einer Reihe von Orten gibt es Schweitzer-Gedenkstätten.
Sein Leben wurde gleich mehrfach verfilmt, gilt das Multitalent doch als einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts und Menschenfreund. Die heftigen Auseinandersetzungen um die
Auswüchse des Kolonialismus haben dieses Bild indessen getrübt. Mit erstaunlicher Naivität stellt manche/mancher nun enttäuscht fest, dass der „große“ Albert Schweitzer ein Kind seiner Zeit war, einer Zeit, welche die Kolonisation als zivilisatorischen Auftrag begriff und Rassentheorien als bare Münze nahm. Aber, wird man nicht auch dereinst über unsere Zeit sagen oder schreiben, dass sie mit Begriffen und Theorien hantierte, die den Idealen von Gleichheit und Brüderlichkeit auf eklatante Weise widersprachen und trotzdem eine treue Gefolgschaft fanden?
Es gilt also, „das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten“. Darauf zielt Peter Münzer (geb. 1951), ehemaliger Grundschulleiter in Südbaden, in seiner Schweitzer- Biografie ab. Sie ist geprägt von der Hochachtung vor dem in der Tat gewaltigen Lebenswerk einer widersprüchlichen aber außergewöhnlichen Persönlichkeit, die konsequent für eine „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ eintrat. In seiner Autobiografie hat Schweitzer sich einmal wie folgt charakterisiert: „Auf die Frage, ob ich pessimistisch oder optimistisch sei, antworte ich, dass mein Erkennen pessimistisch und mein Wollen und Hoffen optimistisch ist… Pessimistisch bin ich darin, dass ich das nach unseren Begriffen Sinnlose des Weltgeschehens in seiner ganzen Schwere erlebe… Dennoch bleibe ich optimistisch… Weil ich auf die Kraft der Wahrheit und des Geistes vertraue… glaube ich an die Zukunft der Menschheit!“.