Wochenspiegel

Wenn Tratschweiber auf dem Bußweg wandeln

Neues Buch von Christoph Laschet

Raeren. – Die letzte und bis jetzt unveröffentlichte Erzählung des Raerener „Universalgenies“ Hubert Schiffer liegt taufrisch als Buch vor, von seinem Urenkel Christoph Laschet in mühevoller Kleinarbeit aus dem „Röörender Platt“ (altdeutsche Sütterlinschrift) ins Hochdeutsche übersetzt: „Lisbeths Erbschaft und die drei Tratschweiber Tring, Sting und Mecketing“ („Lieseps Erbschaft en de drej Traatschwiever Tring, Sting en Mecketing“). Ein „Verzällche“ zum Schmunzeln.

Christoph Laschet aus Raeren hatte von seinem Vater Hans Laschet, dem jüngsten Sohn von Hubert Schiffers, das Manuskript vererbt bekommen. Hubert Schiffers war am 27. März 1923 im Kreise der Familie und in der Wohnung seiner Tochter Josephine verstorben, in der sein Urenkel Christoph 27 Jahre später geboren wurde.

In seinem Grußwort zum neuen Buch schreibt Jérome Franssen, Minister für Unterricht, Ausbildung und Beschäftigung der DG, das Buch sei ein Zeugnis der Raerener Sprach- und Kulturgeschichte, es biete einen Einblick in die damalige Raerener Lebenswelt. Franssen hofft, dass auch in Zukunft weitere Werke wie dieses in unseren Archiven aufgespürt werden, in neuer Form entstehen und so unser Bild der Vergangenheit bereichern und vervollständigen können.

Prof. Dr. Alfred Minke holt in seinem Vorwort weit aus und geht auf Giacchino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ ein: „Die Verleumdung ist wie ein Lüftchen.“ Es gibt wohl nur wenige Menschen, die von Klatsch und Tratsch verschont bleiben, so Alfred Minke. Diese eher unsympathischen Personenformate hat Hubert Schiffers in seiner Erzählung brillant beschrieben.

Zum Inhalt: Bei der Erzählung von Hubert Schiffers handelt es sich um die Geschehnisse rund um eine Erbschaft, die sich in einem „Dörp“ im heutigen Grenzland zwischen Aachen, Rott und Eupen abspielen. Protagonisten der Erzählung sind Lisbeth und Bastian, deren Wege sich im jugendlichen Alter annähern, aber unrühmlich wieder auseinanderdriften.

Insbesondere aber sind die drei dorfbekannten Jungfern und „Tratschweiber“ Tring, Sting und Macketing, sogenannte Betschwestern oder „Quiesele“, die treibende Kraft. Deren Erlebnisse auf dem Bußweg von Raeren nach Rott für Schmunzeln sorgen. Vor lauter Tratsch hätten sie den Bußweg, Sinn und Zweck des Ausflugs fast vergessen. „Es tut sich in diesem Buch noch so allerhand“, verspricht Christoph Laschet. Mehr möchte er (Herausgeber mit den Freunden des Dorfarchivs Hauset) nicht verraten. Nur so viel: Auf 450 Seiten seien reichlich Spannung und humorvolle Handlungen garantiert. Er wünscht gute Unterhaltung, ein wenig Spaß und Freude beim Lesen, mit einem amüsanten Blick in die Vergangenheit, in eine Zeit, in der manches noch etwas ruhiger und gelassener zuging. Aber in der wohl genauso viel „getratsch und gemobbt“ wurde wie heute.

(der)

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