Beschützende Werkstätten
Ostbelgien.- Wo Beschützende Werkstätten draufsteht, geht es längst nicht mehr „nur“ um klassische Handicap-Arbeit. Die drei Werkstätten der Deutschsprachigen Gemeinschaft – BW Eupen, BW „Die Zukunft“ Meyerode und Adapta in Hergenrath – beschäftigen mittlerweile mehr als 300 Menschen, viele davon ohne anerkannte Beeinträchtigung. Möglich macht dies ein gemeinsames Projekt des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Ursprünglich arbeiteten in den Werkstätten vor allem Menschen mit anerkannter Beeinträchtigung. Doch mit steigenden Qualitätsansprüchen des Marktes stellten die Betriebe zusätzliches Personal ohne anerkannte Beeinträchtigung ein. Für deren Begleitung fehlte zunächst eine Finanzierung. Zeitweise mussten einzelne Mitarbeitende acht bis 15 zusätzliche Personen betreuen. „Da haben wir Alarm geschlagen“, erklärt Harald Hamacher, Geschäftsführer von Adapta.
Gemeinsam mit der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben (DSL) und der damaligen Regierung entstand daraufhin die ESF-Förderung. Seit 2015 werden zusätzliche Gruppenleiterstellen je zur Hälfte von EU und Deutschsprachiger Gemeinschaft finanziert. Bezuschusst werden ausschließlich Personalkosten für die Begleitung.
Die Bedeutung des Projekts ist deutlich gewachsen: 2015 wurden 42 Teilnehmer während 43.800 Arbeitsstunden begleitet, 2025 waren es 102 Teilnehmer und 92.400 Stunden. Gleichzeitig stieg die Zahl der finanzierten Gruppenleiterstellen von drei auf sechs.
Das Angebot richtet sich vor allem an Arbeitssuchende ohne anerkannte Beeinträchtigung, die wegen sozialer, kultureller oder sprachlicher Vermittlungshemmnisse keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden.
Wie erfolgreich die Begleitung sein kann, zeigen Beispiele aus allen drei Werkstätten.
Ein Mitarbeiter mit Migrationshintergrund arbeitete sich bei Adapta hoch und übernimmt inzwischen die Auslieferungen. In Eupen entwickelte sich ein kriegsbedingt geflüchteter Mann in der Montage so positiv, dass er seit Februar 2026 fest bei einem Partnerunternehmen arbeitet. In Meyerode gelang es einem jungen Mann nach mehreren gescheiterten Praktika, dank enger Begleitung selbstständig in der Elektromontage zu arbeiten. Seit Juni hat er einen regulären Arbeitsvertrag.
„Genau das sind die Geschichten, auf die wir stolz sind“, sagt Patrick Heinen von der BW Eupen. Trotz einzelner Rückschläge ziehen die drei Werkstätten eine positive Bilanz: Das Projekt muss erhalten bleiben!

