Wochenspiegel

Rovert – ein Gewerbestandort im Wandel

Eynatten. – Wer heute durch das Industrie- und Gewerbegebiet Rovert in Eynatten fährt, sieht auf den ersten Blick vor allem Hallen, Werkstätten, Lastwagen und Gewerbebetriebe. Doch hinter den nüchternen Gebäuden steckt eine bemerkenswerte Entwicklung: Rovert hat sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort der Gemeinde Raeren entwickelt – und die Entwicklung ist längst noch nicht abgeschlossen.

Das Gewerbegebiet liegt an der Nationalstraße N68 und ist sowohl von Eupen als auch aus Richtung Aachen gut erreichbar. Mit einer Gesamtfläche von rund 32,6 Hektar gehört Rovert-Hagbenden zu den bedeutenden Gewerbestandorten der Gemeinde. Die gute Verkehrsanbindung macht den Standort insbesondere für Unternehmen interessant, die auf kurze Wege und eine schnelle Verbindung in Richtung Deutschland und des Eupener Raums angewiesen sind.

Vom Gewerbegebiet zum Wirtschaftsstandort

In Rovert findet sich heute eine bunte Mischung unterschiedlicher Unternehmen. Handwerksbetriebe, Produktionsunternehmen, technische Dienstleister und andere Gewerbebetriebe haben hier ihren Platz gefunden. Damit spiegelt das Gebiet auch die wirtschaftliche Vielfalt der Gemeinde Raeren wider.

Dass Unternehmen in Rovert wachsen und zusätzliche Flächen benötigen, zeigen mehrere Entscheidungen des Gemeinderates. So verkaufte die Gemeinde beispielsweise 2022 ein rund 4.053 Quadratmeter großes Grundstück an das Unternehmen Sealtech, das seine Betriebsfläche erweitern wollte. Auch Eupen Metal erhielt 2025 eine zusätzliche Fläche von rund 4.075 Quadratmetern zur Erweiterung des bestehenden Betriebs.

Diese Grundstücksverkäufe erzählen mehr als nur eine Geschichte über Immobilien. Sie zeigen, dass Rovert für Unternehmen nicht lediglich ein Standort zum Ansiedeln ist, sondern zunehmend auch ein Ort, an dem bestehende Betriebe wachsen können.

Neue Straßen, neue Flächen

Die Entwicklung des Gebiets ist auch im Straßenbild sichtbar. Im Zuge der Erweiterung des Industrie- und Gewerbegebiets wurde eine neue Straße angelegt, die parallel zur Gewerbestraße verläuft. Sie trägt den Namen „Handelsstraße“. Damit wurde die Erschließung des erweiterten Bereichs verbessert und zusätzlicher Raum für gewerbliche Aktivitäten geschaffen.

Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren wiederholt Grundstücke innerhalb der Gewerbezone verkauft. Die Flächen reichen dabei von kleineren Parzellen für Handwerks- und Gewerbebetriebe bis hin zu mehreren tausend Quadratmetern für Unternehmen, die ihren Standort ausbauen möchten.

Rovert wächst damit nicht nur auf dem Papier. Neue Gebäude, neue Betriebe und Erweiterungen bestehender Unternehmen verändern das Gebiet Schritt für Schritt.

Ein Standort mit unterschiedlichen Gesichtern

Zum Bild von Rovert gehört allerdings nicht ausschließlich klassische Industrie. Auch kommunale Infrastruktur ist hier angesiedelt. In der Industriezone befindet sich beispielsweise der von Intradel betriebene Recypark der Gemeinde Raeren. Dort werden unterschiedliche Abfälle angenommen, sortiert und anschließend dem Recycling oder anderen Entsorgungswegen zugeführt.

Auch der gemeindliche Bauhof befindet sich an der Gewerbestraße in Eynatten. Von hier aus werden unter anderem Arbeiten und Unterhaltsaufgaben für die Gemeinde organisiert.

So ist Rovert längst mehr als eine Ansammlung von Produktionshallen. Der Standort verbindet Industrie, Handwerk, Dienstleistungen und öffentliche Infrastruktur – und ist damit eng mit dem alltäglichen Leben in der Gemeinde verbunden.

Wachstum mit Herausforderungen

Wo Unternehmen wachsen, entstehen allerdings auch neue Herausforderungen. Mehr Betriebe bedeuten mehr Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivität, aber gleichzeitig auch mehr Verkehr, mehr Lieferbewegungen und einen höheren Druck auf die vorhandene Infrastruktur.

Dass das Gebiet verkehrlich eine wichtige Rolle spielt, zeigte sich zuletzt auch bei Straßenarbeiten in der Umgebung. Im Juli 2026 musste die Eynattener Straße zeitweise gesperrt werden. Der Verkehr wurde unter anderem über Hagbenden und die Gewerbestraße umgeleitet.

Solche Situationen machen deutlich, wie eng das Gewerbegebiet inzwischen mit dem örtlichen Verkehrsnetz verbunden ist.

Ein Blick nach vorne

Die Entwicklung von Rovert dürfte deshalb auch in Zukunft ein Thema für die Gemeinde Raeren bleiben. Einerseits bietet der Standort Unternehmen attraktive Bedingungen und ermöglicht es heimischen Betrieben, in der Region zu wachsen. Andererseits stellt sich die Frage, wie viel weiteres Wachstum möglich ist und wie Gewerbe, Verkehr, Landschaft und die Interessen der Bevölkerung miteinander in Einklang gebracht werden können.

Ein Beispiel für die Dynamik des Standorts ist das Unternehmen NMC. Der in Eynatten ansässige Hersteller hat seine Produktionskapazitäten zuletzt mit neuen Hallen erweitert. Dort werden unter anderem PET-Produkte zur Fensterisolierung, XPP-Platten und biegbare Akustikpaneele hergestellt. Das Unternehmen kündigte bei der Einweihung 2025 an, dass die Wachstumspläne noch nicht abgeschlossen seien.

Rovert steht damit beispielhaft für eine Region, in der wirtschaftliche Entwicklung nicht irgendwo weit entfernt stattfindet, sondern direkt vor der Haustür.

Mehr als nur Hallen und Parkplätze

Wer durch Rovert fährt, mag zunächst einen eher nüchternen Eindruck bekommen. Doch bei genauerem Hinsehen erzählt das Gebiet eine Geschichte über die wirtschaftliche Entwicklung Eynattens und der Gemeinde Raeren.

Hier haben Unternehmen investiert, Flächen gekauft, Gebäude errichtet und ihre Betriebe erweitert. Gleichzeitig wurden Straßen und Infrastruktur angepasst. Der Standort hat sich verändert und wird sich weiter verändern.

Rovert ist damit ein Stück Wirtschafts- und Ortsgeschichte von Eynatten – und zugleich ein Blick in die Zukunft. Die entscheidende Frage wird sein, wie es gelingt, den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln, ohne dabei die Lebensqualität und den Charakter der Umgebung aus den Augen zu verlieren.

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