Wochenspiegel

Interview mit Caroline Pankert: „Ich bereue nichts“

PR-Text: 40 Jahre Optik Pankert in Eupen

Vor 40 Jahren eröffnete Caroline Pankert in der Eupener Klosterstraße ihr erstes eigenes Optikergeschäft. Aus einem kleinen Ladenlokal ist es über die Jahre zu einem der modernsten Fachunternehmen der Region geworden, mit einem zweiten Standort in Kelmis und einem fünfköpfigen Team. Im Gespräch mit dem Wochenspiegel blickt die Unternehmerin auf die Höhen und Tiefen aus vier Jahrzehnten Selbstständigkeit zurück, die sie zum Erfolg geführt haben: auf einen Einbruch, der sie hart traf, auf Kunden der ersten Stunde und auf die Frage, was sie der jüngeren Caroline Pankert heute raten würde.

Wochenspiegel: Fangen wir am Anfang an. 1986 haben Sie sich mit einem eigenen Optikgeschäft selbstständig gemacht. Woher kam der Impuls dazu?

Caroline Pankert: Ich hatte das Glück, drei Jahre in Lüttich bei einem sehr interessanten Optiker zu arbeiten, der mir sehr viel beigebracht hat. Parallel dazu habe ich dort auch meine Ausbildung absolviert. Ich war einfach voller Tatendrang, als ich von dort wegging, für mich stand die Sache fest. Man muss auch sagen: Meine Eltern waren schon selbstständig, und wenn man aus einem Selbstständigenhaushalt kommt, ist der Sprung einfacher. Ich hatte gute Unterstützung.

Wochenspiegel: Gibt es etwas, woran Sie sich aus den Anfangsjahren noch besonders erinnern?

Caroline Pankert: Man muss sich vorstellen: Vor 40 Jahren gab es nichts zu mieten, jedes kleine Ladenlokal war sofort weg. Ich hatte damals Mühe und Not, etwas zu finden, und hatte dann das Glück, hier in der Klosterstraße ein ganz kleines Geschäftslokal zu mieten, das der Familie Heuer gehörte. Dort habe ich gestartet und alles so renoviert, wie ich es mir vorgestellt hatte – ich hatte schon eigene Vorstellungen. Das Tolle an der Selbstständigkeit ist ja, dass man sich wirklich selbst verwirklichen und sein eigener Chef sein kann. Das ist schon etwas Besonderes.

Wochenspiegel: Sie haben früh auch eine eigene Unternehmensphilosophie entwickelt, dass jede Kundin und jeder Kunde die Brille finden soll, die zur eigenen Persönlichkeit passt. Wie sind Sie darauf gekommen?

Caroline Pankert: Die Konkurrenz ist ja überall, heute wie damals. Vor 40 Jahren hätte man gesagt: Es gibt schon genug Optiker auf dem Markt, du wirst keinen Platz finden. Ich habe es trotzdem gemacht, weil ich dachte: Ich mache es einfach ein bisschen anders als die anderen. Ich habe sehr auf persönliche Gespräche gesetzt und hatte sehr schnell sehr nette Kunden, die darauf eingegangen sind und dieses Konzept eigentlich gemeinsam mit mir aufgebaut haben. Ohne solche Kunden hätte es nicht funktioniert. Das war ein Schneeballeffekt, der sich schnell und fast von selbst entwickelt hat. Ich glaube, das hat auch viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, die man mitbringt.

Wochenspiegel: Man merkt, dass es hier lebhaft und familiär zugeht. Hier passiert mehr als nur schnell hereinzuspringen und eine Brille zu kaufen.

Caroline Pankert: Hier geht es effektiv familiär zu. Mein Mann Philippe Reul ist schon seit vielen Jahren hauptberuflich als Optikermeister im Geschäft tätig, und wir sind ein sehr gutes Team. Wir haben das Glück, sehr viele nette Kunden zu haben, und pflegen den Kontakt zu ihnen. Viele kennen wir auch persönlich. Das macht die Arbeit sehr angenehm, auch fürs Arbeitsklima. Man kommt hier rein, und die Zeit vergeht wie im Flug. Man hat nicht das Gefühl von Stress. Außer bei technischen Problemen, wie ich sie heute Morgen schon wieder hatte. Darüber ärgert man sich, aber der Rest macht Freude.

Wochenspiegel: Zwei große Meilensteine gab es in Ihrer Unternehmensgeschichte, den Umzug in größere Räume 1992 sowie 2007 die komplette Renovierung, die zur Verdopplung der Verkaufsfläche geführt hat. Welcher dieser beiden Schritte war für Sie der größere?

Caroline Pankert: Wichtig war auf jeden Fall der Umzug in größere Räume. Entschieden hatte ich das aber nicht selbst. Mein Vermieter brauchte sein Haus wieder selbst, also musste ich ausziehen und wurde ein bisschen in die Enge getrieben. Das war damals auch finanziell keine einfache Zeit. Dann hatten wir Glück: Es gab zwei alte, zusammenhängende Häuser mit einem einzigen Besitzer, die nur zusammen zu haben waren – das war das oder nichts. So fing eine interessante Geschichte an: Wir mussten diese beiden alten Häuser abreißen und neu aufbauen. Das hat mich und meinen Mann, der damals schon mit im Geschäft war, finanziell an gewisse Grenzen gebracht, das darf man wohl so sagen. Aber als Selbstständiger muss man dranbleiben, eine andere Möglichkeit gab es damals nicht. Bis heute ist es gut gegangen – aber Selbstständigkeit fordert einen schon.

Wochenspiegel: Was ist das Besondere am Beruf des selbstständigen Augenoptikers – und was hat sich am meisten verändert?

Caroline Pankert: Als ich anfing, gab es noch keinen Computer, das kann man sich heute kaum vorstellen. Es gab Schubladen voller Karteikarten, die ich immer wieder einsortieren musste. Der Computer war sicher ein wichtiger Meilenstein. Bei uns ist heute das ganze Geschäft auf dem neuesten Stand, darauf lege ich viel Wert. Ein weiterer großer Schritt sind die Mitarbeiter: Irgendwann muss man sich entscheiden, jemanden einzustellen. Im Moment arbeiten wir zu fünft, hier in Eupen und in Kelmis.

Wochenspiegel: Wie kam es dazu?

Caroline Pankert: Das ging auch ganz schnell. Als ich mich hier selbstständig machte, hatte ich sofort die Idee, ein zweites Geschäft zu eröffnen, weil ich merkte, dass das Konzept funktionieren könnte. Wir haben dann etwas in Kelmis gefunden. Ich hatte das große Glück, eine sehr nette Mitarbeiterin zu haben, die mich 36 Jahre lang begleitet hat und dieses Jahr leider in den Ruhestand gegangen ist – Maria. Wir haben sehr eng und sehr gut zusammengearbeitet und viele Krisen gemeinsam gemeistert. Kelmis ist ein guter Standort, weil wir von dort auch die umliegenden Dörfer bedienen können. Viele würden sonst nach Aachen zum Optiker fahren, aber wir haben viele treue Kunden aus den Dörfern. Das ist wirklich eine schöne Kundenbeziehung.

Wochenspiegel: Gab es in den vergangenen 40 Jahren auch einen Punkt, an dem Sie gesagt hätten: Jetzt gebe ich auf?

Caroline Pankert: Nein, diesen Gedanken hatte ich nie. Wir hatten einmal eine sehr schwere Situation: Wir waren gerade in die neuen Räume in der Klosterstraße 23 umgezogen, und kurz danach gab es hier einen schlimmen Einbruch. Alle Brillen waren weg. Das war schrecklich für mich, denn die hier liegende Ware ist bezahlt – wir Optiker müssen bei einer Kollektion in Vorkasse gehen. Alles war weg, und ich musste komplett neu einkaufen. Das hat mich damals finanziell schon sehr getroffen. An den Tag kann ich mich noch genau erinnern: Meine Tochter, die heute 33 ist, war damals ein Jahr alt. Ich kam eines Morgens mit ihr hierher und war erstaunt, dass überall Brillen auf dem Teppich lagen. Zuerst dachte ich mir nichts dabei – man denkt ja nicht gleich an einen Einbruch. Das ist uns danach leider noch mehrfach passiert.

Wochenspiegel: Sie haben von Ihrer Mitarbeiterin Maria gesprochen, die mehr als drei Jahrzehnte bei Ihnen war. Gibt es auch Kundinnen und Kunden, die Sie so lange begleiten?

Caroline Pankert: Ja, tatsächlich. Wir haben Kunden, die seit dem allerersten Jahr bei uns sind und heute noch kommen. Das ist wirklich schön. Mit solchen Kunden verbindet einen schon viel. Wenn man sich sieht, hat man immer ein sehr nettes Gespräch. Ich glaube, das ist eine Vertrauenssache: Viele Menschen wechseln nicht gerne ihren Optiker.

Wochenspiegel: Wie hat sich denn der Einkaufsstandort Eupen insgesamt in diesen vier Jahrzehnten verändert?

Caroline Pankert: Früher gab es mehr hochwertige Geschäfte – bei uns in der Straße war wirklich alles voll. Es gab viele Schmuckgeschäfte, die inzwischen fast alle geschlossen haben, viele Metzgereien, von denen es heute nur noch wenige gibt, und viele Bäckereien – ich erinnere mich an eine sehr leckere Bäckerei direkt neben uns, bei der ich selbst Kundin war. Es hat sich also einiges zurückentwickelt. Aber ich bin ein positiver Mensch, und ich finde: Alles ändert sich im Leben, man muss mitgehen. Wenn ich heute durch unsere Straße gehe, sehe ich viele nette junge Frauen in schönen Modegeschäften – am Ende unserer Straße haben wir wirklich Glück: Die funktionieren alle gut und haben auch Personal. Das sind Leute, die, genauso wie wir, einfach dranbleiben. Es gibt mal schwere Zeiten, aber das gehört wohl dazu.

Wochenspiegel: Wie finden Sie Menschen, die zu einem eingespielten Team mit einer so speziellen Positionierung passen?

Caroline Pankert: Die drei Mitarbeiterinnen, die im Moment bei mir sind, haben sich alle selbst bei mir beworben und vorgestellt. Dann überlege ich, ob die Person passen könnte, und wir machen einen Probetag oder zwei. Ich habe eigentlich immer ein gutes Gespür: Wenn etwas gar nicht passt, sehe ich das sofort. Die Leute, die hier ankommen, müssen mit unserer Struktur leben, nicht nur neben uns herlaufen. Wenn sie das nicht wollen, respektiere ich das, aber dann hat es keinen Zweck, bei uns zu arbeiten. Da haben wir Glück gehabt: Zwei der drei jungen Kolleginnen habe ich gemeinsam mit meinem Mann selbst ausgebildet. Wer von woandersher kommt, muss sich einfügen – das ist nicht immer einfach. Man muss auch zweisprachig Deutsch-Französisch sein. Wir legen sehr viel Wert auf das Beratungsgespräch und nehmen uns dafür viel Zeit – das findet man im Internet natürlich nicht. Ich will nicht sagen, dass man dort nicht auch eine günstige Brille für eine leichte Kurzsichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit findet. Aber wir haben nur zwei Augen, und ich persönlich würde da wirklich genau hinschauen. Wir arbeiten sehr stark präventiv und geben unseren Kunden gerne alles Gute mit auf den Weg – auch qualitativ hochwertige Gläser. Es gibt ja auch billige Massenware, wie sie bei manchen Ketten angeboten wird – damit arbeiten wir nicht. Wir arbeiten nur mit zertifizierten Herstellern, die Gläser müssen bei uns top sein. Nur höchste Qualität – das ist mir sehr wichtig, das würde ich auch für mich selbst nicht anders wollen.

Wochenspiegel: Gibt es eine technische Innovation in Ihrem Beruf, die Ihre Arbeit besonders verändert hat?

Caroline Pankert: Wir arbeiten sehr viel mit individualisierten Gleitsichtgläsern – das ist inzwischen nichts Neues, das machen wir schon seit Jahren, aber dafür braucht man die passende Apparatur. Das geht genauso mit Einstärkengläsern – man kann da technisch sehr weit gehen und den Kunden ein echtes Spitzenprodukt liefern, wenn sie das möchten. Meine Kollegin hat sich außerdem auf Brillen für Legastheniker spezialisiert – das machen wir nach Termin, eine spezielle Technik, die sonst in der ganzen Gegend nirgendwo angeboten wird. Wer daran interessiert ist, kann bei meiner Kollegin Bénédicte einen Termin machen, sie nimmt sich die Zeit dafür, und wir bekommen dazu sehr gute Rückmeldungen. Wir bieten außerdem Kontaktlinsen und Hörgeräte an.

Wochenspiegel: Vielleicht liest die richtige Person das ja jetzt.

Caroline Pankert: Wer weiß. Wer Lust hat, darf gerne vorbeikommen und fragen – jedes Gespräch ist interessant. Wenn es nicht passt, ist es so.

Wochenspiegel: Was ist Ihre Triebfeder – was macht Ihnen nach 40 Jahren Verantwortung noch am meisten Freude?

Caroline Pankert: Die Liebe zum Beruf und einfach das tägliche Tun, das Dranbleiben. Unser Beruf hat auch viel mit Mode zu tun, das interessiert mich sehr. Man geht auf Messen, fährt nach Mailand oder nach Paris, erlebt tolle Events. Wir waren zum Beispiel in Paris eingeladen: Die dänische Firma Lindberg, mit der wir sehr gerne arbeiten, wird in diesem Jahr ebenfalls 40 – ich fand es eine schöne Idee, das ein bisschen zu koppeln. Lindberg arbeitet im hochwertigen Titanbereich, einem sehr technischen Produkt, das wir dank unseres eigenen Ateliers hier im Haus problemlos bearbeiten können. Dieser Antrieb ist einfach da, ich kann es kaum erklären – es gibt für mich keine Alternative. Zu Hause sitzen könnte ich nicht.

GrenzEcho: Wenn Sie der jüngeren Caroline Pankert von vor 40 Jahren mit dem Wissen von heute einen Rat geben könnten – welcher wäre das?

Caroline Pankert: Entspannter zu sein. Ich glaube, man sollte nicht alles so in die Waagschale legen und nicht alles hinterfragen. Mit dem Alter wird man automatisch etwas entspannter – ich erinnere mich an Situationen, in denen mir das nicht immer gelungen ist, und das gelingt mir bis heute nicht immer. Aber es ist etwas, das ich mir wünsche.

GrenzEcho: Vielleicht als letzte Frage und als Höhepunkt: Worauf sind Sie in Ihrer Berufsgeschichte am meisten stolz?

Caroline Pankert: Das ist eine gute Frage. Ich bin froh, dass ich diese 40 Jahre positiv durchgehalten habe, wenn ich das so sagen darf, und dass ich Mitarbeiterinnen habe, die mir folgen – das finde ich sehr wichtig. Wir haben eine schöne Historie, und es war einfach eine gute Zeit. Ich bereue nichts von dem, was ich getan habe. Ich habe viel gearbeitet, manchmal bestimmt zu viel – aber das ist mein Leben, das ist mein Ding, und ich bereue nichts.

Zur Person

Caroline Pankert, diplomierte Augenoptikerin, eröffnete im August 1986 ihr erstes Ladenlokal in der Eupener Klosterstraße 26. 1992 zog das Geschäft in größere Räume in die Klosterstraße 23 um, 2007 folgte eine komplette Renovierung mit verdoppelter Verkaufsfläche. Neben dem Hauptgeschäft in Eupen betreibt Optik Pankert einen zweiten Standort in Kelmis. Heute beschäftigt Caroline Pankert ein fünfköpfiges Team.

Das Gespräch führte Thomas Philipp Reiter.

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