Stadt- und Pfarrbibliotheken St. Nikolaus und St. Josef
Eupen. – „Wir Atheisten, so der Autor Tim Crane, sollten den Versuch unternehmen, die Religion zu verstehen, weil uns ansonsten etwas fehlt, nämlich ein angemessenes Verständnis eines fundamentalen Teils unserer Zivilisation und Geschichte – also unserer selbst.“ Der Philosoph Crane lehrte u. a. an der englischen Eliteuniversität Cambridge und ist der Ansicht, dass viele „neue Atheisten“ die Religion für etwas halten und bekämpfen, was sie seiner Meinung nach nicht ist: eine Art primitive Kosmologie, deren Gläubige irrational, abergläubisch und bigott sind.
Des Weiteren steht für ihn fest, dass es den Atheisten nicht gelingen wird, die Religion zu „eliminieren“, weder durch Gesetze noch durch rationale Argumentation.
Das zeigt nicht zuletzt ein nicht durch Vorurteile verstellter Blick auf unseren Planeten.
Anders als manche Atheisten denken, führt auch ein Zuwachs an Bildung nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Religion. Noch immer findet man unter den topausgebildeten Absolventen höchstentwickelte und bestfinanzierten amerikanischen Universitäten (um nur dieses Beispiel zu bemühen) ebenso Gläubige wie unter denen, die nur wenig mit den Wissenschaften in Berührung gekommen sind.
In Anbetracht der existentiellen Bedrohungen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, kann Crane fortdauernden ideologischen Grabenkämpfen zwischen Atheisten und Theisten nichts mehr abgewinnen. Als Minimalziel plädiert er für deren friedliche Koexistenz. Das Maximalziel könnte „eine Art Dialog“ zwischen denjenigen sein, die sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Wirklichkeit haben. „Es wird sehr schwierig sein, einen solchen echten Dialog in Gang zu bringen, der erste Schritt in diese Richtung muss aber darin bestehen, dass jede Seite ein angemessenes Verständnis des Gegenübers entwickelt.“ Ein klares, nachdenkliches Buch!

